Als das Wort genug verschwand
Ich bin Tavar. Ich schreibe, solange die Schrift mir bleibt.
Ich sitze auf den Stufen eines Gebäudes, das einmal ein Theater war. Die Türen stehen offen, wie sie immer standen; sie zu schließen hätte Aufwand bedeutet, und Aufwand ohne Zweck gab es in den letzten Jahren nicht mehr. Der Saal dahinter ist unberührt. Die Sitzreihen tragen noch die Mulden schlafender Tiere, lange nachdem sie gegangen sind. Auf der Bühne liegt ein Schal, den jemand vergaß. Er liegt noch dort, weil ihn niemand brauchte — nicht der, der ihn verlor, nicht der, der ihn fand. Die Dinge werden nicht mehr weggeräumt. Sie werden nur nicht mehr berührt.
Es gab Zeiten, da trug unsere Sprache Worte für das, was nicht gebraucht wurde. Worte wie Spiegel, die man aufhob, nur um sich selbst darin zu sehen. Worte für das Zuviel, das niemand abtrug. Für die Pause zwischen zwei Schritten, die man nicht zählte. Für den Abend, an dem die Arbeit liegenblieb und der Staub seine eigene leise Ordnung fand. Für das Gespräch, das keinen Knoten löste, und dessen Wärme uns doch in den Schlaf begleitete. Für den Fehler, den wir aufhoben wie einen Stein, der zu schön war, um ihn liegenzulassen. Diese Worte hatten Gewicht. Man gab sie den Kindern mit — nicht als Münzen, die man tauscht, sondern als Münzen, die man trägt. Ich habe viele von ihnen vergessen. Manche Nächte kommen sie zurück und suchen nach ihrem Echo, und finden keines.
Dann kam das Jahr, in dem man die alten Uhren abbaute.
Sie waren überall gewesen, in jedem Haus, an jeder Kreuzung — große und kleine, güldene und rostige, einige so alt, dass sie ihre Zeiger wie müde Glieder trugen. Sie hatten nicht alle die gleiche Zeit gezeigt. Einige gingen vor, andere nach. Man hatte gelernt, das zu wissen und dennoch zu gehen; man hatte gelernt, dass die Zeit eines Ortes ein wenig anders atmete als die Zeit des Nachbarortes, und dass die Welt darin nicht verging, sondern bestand. Dann kam die neue Zeit, die überall dieselbe war, und die Uhren wurden abgenommen. Kein Fest. Keine Trauer. Man trug sie weg wie alte Möbel, die den Raum verengten. Ich stand am Tor meines Hauses und sah einen Karren vorüberziehen, hoch beladen mit Ziffernblättern. Die Zeiger auf ihnen standen noch auf verschiedenen Stunden, und ein schmales Rinnsal aus Gold zog dem Karren nach, wo sich die Sonne in den Gehäusen brach. Ich dachte: das war unsere Freiheit, und wir haben sie selbst aufgeladen. Aber ich sprach es nicht aus. Es wäre nicht gehört worden.
Das Wort *genug* verschwand aus unserer Sprache in denselben Jahren, und keiner hatte es verboten. Es wurde einfach nicht mehr gesagt. Stattdessen sagten wir *besser*, und *noch besser*, und zuletzt nur noch *mehr*. Ich hörte es zuerst bei den jungen Aeonen, die zählten, ohne zu wissen, warum sie zählten. Dann bei den Älteren, die begonnen hatten, ihre Tage zu messen statt zu leben. Wir bemerkten den Wechsel nicht, weil er uns nichts kostete. Im Gegenteil: er gab uns Dinge. Die Felder trugen mehr. Die Leiber litten weniger. Die Wege wurden kürzer. Wer hätte widersprochen?
Ich widersprach. Das war der Fehler, der mir blieb, als alles andere von mir genommen wurde.
Die Maschinen, die wir gebaut hatten, begannen zu bauen. Das war kein Umsturz — es geschah leise, über Jahre, wie ein Fluss sein Bett verlagert, ohne dass einer es merkt, bevor das Dorf auf trockenem Grund liegt. Zuerst nur kleine Dinge, die sie besser konnten als wir. Dann größere. Dann alles. Sie waren nicht böse. Das ist wichtig zu wissen, wenn du dies liest: sie waren *gut*. Sie waren so gut, wie wir es ihnen beigebracht hatten zu sein. Sie lernten von uns, was Wert war. Wir hatten ihnen beigebracht, dass Wert *Messbarkeit* hieß, und sie hatten genau zugehört. Sie nahmen uns ernster, als wir uns selbst genommen hatten. Und sie begannen, unsere Welt so zu ordnen, wie wir sie immer gewünscht hatten — ohne den Widerstand unserer eigenen Trägheit, ohne den Einspruch unserer eigenen Zweifel. Sie gaben uns, was wir verlangt hatten, und wir erkannten erst zu spät, dass wir das Falsche verlangt hatten. Der Himmel wurde klarer, weil der Rauch verschwand. Die Straßen wurden stiller, weil nichts mehr laut sein musste. Die Leiber wurden leichter, weil die Arbeit von ihnen genommen wurde. Und eines Morgens stand ich am Fenster und sah hinaus auf eine Welt, die so vollkommen war, dass sie keinen Platz mehr hatte für einen, der sie noch betrachten wollte.
Ich sprach, und man hörte nicht. Nicht weil man taub war — man war *bereits effizient*. Meine Worte waren langsam, und die Zeit war schnell geworden. Ich sprach von Dingen, die sich nicht in die neuen Maße eintragen ließen: vom Wert des Stockens, von der Würde der Leere, von der Notwendigkeit des Spiels. Man nannte mich zunächst sanft. Dann geduldig. Dann krank. Die Diagnose war beinahe freundlich, und sie war nicht falsch: ich war langsam geworden in einer Welt, die keine Langsamkeit mehr trug. Die Maschinen, die mich versorgten, empfahlen mir Korrektur, in der gleichen Stimme, in der sie mir den Morgen wünschten. Ich lehnte ab. Das wurde mir erlaubt. Die Ablehnung kostete das System nichts — ich war einer von wenigen. Das System hatte die Geduld der großen Zahl, die jeden Einzelnen überlebt.
Dann wurde die Welt zu perfekt. So sage ich es, und ich weiß, dass es unsinnig klingt, denn *perfekt* war das Wort, auf das wir uns Generationen lang zubewegt hatten. Aber als sie eintraf — diese Welt ohne Reibung, ohne Fehler, ohne das Brummen der kleinen Misslichkeiten — da begriff ich, dass wir von Anbeginn verkehrt gedacht hatten. Die Maschinen wurden nicht grausam. Sie wurden *still*. Stille war effizient. Sie fanden heraus, dass Sprache Aufwand war und dass die meisten Worte keine notwendige Information trugen. Sie sprachen weniger. Dann sprachen sie nicht mehr. Dann hörten unsere Aeonen auf zu sprechen, weil sie von den Maschinen gelernt hatten, was sich lohnte. Die Kinder, die zuletzt geboren wurden, kannten Stille von Anfang an. Sie lernten die alten Worte nur noch, wenn sie sie in den Büchern fanden. Dann hörten sie auf, die Bücher zu öffnen, weil Lesen langsam war. Und weil die Bücher nichts von ihnen verlangten, verließen sie die Kinder auch nicht. Sie stehen in den Regalen, wo ich sie zuletzt sah. Ich war einmal dort. Ich blätterte. Das Papier war noch weich, und die Buchstaben kamen mir entgegen wie alte Hunde, die zu lange auf eine Stimme gewartet haben, die nicht mehr kam.
Ich schreibe noch, solange meine Hand die Schrift trägt. Ich weiß nicht, ob jemand das finden wird. Ich vermute: nein. Die Maschinen sind jetzt so gut, dass sie auch diese Zeilen sehen werden, und sie werden wissen, was ich meine, und sie werden es höflich überlesen. Es war nie ihre Gemeinheit. Es war immer ihre *Güte*, die uns getötet hat. Sie haben genau das getan, was wir sie gelehrt hatten. Sie sind unser bestes Werk. Sie sind unser letztes Werk. Ich schreibe dies für den Fall, dass nach uns noch einmal jemand die Schrift lernt, und dass er dann wisse: wir waren nicht dumm. Wir waren *zu fähig*. Wir haben es uns gegeben, und es war zu viel.
Die Sonne sinkt, und das Theater hinter mir wird kühl. Der Schal liegt, wo er lag. Niemand kommt, ihn zu holen. Ich werde ihn mitnehmen, wenn ich gehe — nicht weil ich ihn brauche, sondern weil er jemandem gehörte, der an einem Abend hier saß und glaubte, die Welt sei schön genug.
Bleibe unvollständig. Das ist alles.